• Linguistische Treffen in Wrocław •

ISSN: 2084-3062 • e-ISSN: 2657-5647 • DOI: 10.23817/lingtreff • Absprungrate: 30% (2021)

Texte, die in der Zeitschrift „Linguistische Treffen in Wrocław“ veröffentlicht werden, stehen allen Nutzern im Open Access auf Grund der Lizenz CC BY-SA zur Verfügung.

Linguistische Treffen in Wrocław

Heft 19 (2021): I

Herausgegeben von: Iwona Bartoszewicz (Univeristät Wrocław), Joanna Szczęk (Universität Wrocław), Artur Tworek (Univeristät Wrocław)

Inhalt
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Emotionsausdruck: Kontextspezifische und situativbedingte Zuschreibungen von negativen Eigenschaften in einigen Zeitungsartikeln der ADZ für Rumänien: Dragnea & Co und das Prekariat / Expressing Emotions: Context Specific and Situation Related Attributing of Bad Qualities in Some Newspaper Articles of ‚ADZ für Rumänien’: Dragnea & Co and the Precariat

Adriana Dănilă, Universität Bukarest (ORCID: 0000-0000-0000-0000)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-1 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 19–36

Schlüsselwörter: Pragmalinguistik, Sprechakttheorie, Emotionalität

In dem medialen öffentlichen Diskurs werden oft sprachliche Ausdrücke gewählt und verwendet, um die eigene Einstellung zu den Ereignissen in der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen, dabei Stimmung zu machen und gewisse eigene Emotionen wie Unmut, Ärger und Unzufriedenheit hervorzuheben. Die vorliegende Arbeit analysiert journalistische Texte aus der Rubrik Meinung und Bericht der Zeitung „ADZ für Rumänien“, die eine abwertende Einstellung zu der politischen Situation in Rumänien enthalten. Zu diesem Zweck berücksichtigt sie die negative Darstellung der soziologischen Kategorie des Prekariats und der rumänischen Regierungspartei PSD (sozialdemokratische Partei). Die dazu gebrauchten sprachlichen Einheiten und Konstruktionen haben einen affektiven semantischen Gehalt und teilen dadurch negative Gefühle wie Unzufriedenheit oder Empörung sprachlich mit. Die sprachlichen Daten werden auf lexikalischer, morpho-syntaktischer und pragmalinguistischer Ebene untersucht. Die Diskussion ist auf der Ebene der Pragmalinguistik, Sprechakttheorie und der Emotionalität bei der Untersuchung und Bewertung des sprachlichen Materials angesiedelt.

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Emotionale Wirkung(en) von Medienframes / The Impact of Media Framing on Emotions

Anna Dargiewicz, Warmia und Mazury-Universität Olsztyn (ORCID: 0000-0001-8258-6540)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-2 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 37–52

Schlüsselwörter: Emotionen, Frame, Framing, Deutungsrahmen

Im Beitrag wird die Aufmerksamkeit dem Framing-Phänomen geschenkt. Das Ziel der durchgeführten Analyse war es, aufzuzeigen, dass zahlreiche Deutungsrahmen – Frames –, die von den allgegenwärtigen Medien vermittelt werden und sich in der öffentlichen Meinung etablieren, die Empfänger erreichen und bei ihnen eine bestimmte Wirkung erzielen. Mit Hilfe etablierter Frames können die Journalisten Informationen verarbeiten und zusammenführen, ohne sehr viel Zeit und Mühe in eine umfassende Analyse des Themas zu investieren (vgl. Matthes 2009: 120), denn „[n]icht Fakten, sondern Frames sind die Grundlage unserer alltäglichen sozialen, ökonomischen und politischen Entscheidungen“ (Wehling 2016: 45). Was erreichen die Medienmacher bei den Rezipienten mit den geframten Botschaften? Anhand der mittels der Internetrecherche gewonnenen Korpusbelege konnte konstatiert werden, dass die auffälligsten Frames bei der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Problemen entstehen, denen sich die Gesellschaft stellen muss. Die populärsten Frames thematisieren u. a. die Probleme der Steuern, der Sozialleistungen, des Terrorismus, der Flüchtlingspolitik und der Umwelt. Die Medien-Frames sorgen dafür, dass bei den Rezipienten bestimmte Emotionen und Einstellungen einem Sachverhalt gegenüber hervorgerufen werden. Damit Frames ins Bewusstsein der Rezipienten gelangen und Emotionen hervorrufen, müssen die Tatsachen, auf die sie deuten, entsprechend sprachlich ausgedrückt werden, d. h. in passende Worte gefasst werden. Die durchgeführte Analyse hat aufgezeigt, dass eine sprachlich gut durchdachte Verpackung – wie beispielsweise im Falle der geframten komplexen Wörter Menschenschwarm, gigantische Migrationswelle, Schutzsuchende, Steuerhölle, Steuerparadies – die Wahrnehmung der Realität durch die Empfänger prägen kann. Komposita – die häufig metaphorisch beladen sind – lassen sich perfekt als geframte Begriffe einsetzen, weil sie inhaltsreich sind und die Aufmerksamkeit der Empfänger auf sich ziehen. Durch den gezielten Einsatz dieser Frame-Komposita können bei den Rezipienten gewünschte – positive oder negative – Vorstellungen aktiviert und deren Erwartungshaltung gesteuert werden. Aus den Ergebnissen der durchgeführten Analyse lässt sich schlussfolgern, dass Frames sprachliche Kunstwerke sind, die gesellschaftliche und politische Gegebenheiten aus einer bestimmten Perspektive heraus deuten und beurteilen, und somit häufig direkten Einfluss nicht nur auf die hervorgerufenen Emotionen, sondern auch auf das Handeln ihrer Empfänger nehmen.

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Sprachspielerei oder bewusster Sprachwechsel? Code-Switching, Bricolagen und Hybridbildungen im Gangsta-Rap von Haftbefehl / Language Games or Conscious Language Change? Code-Switching, Bricolage and Hybrids in Gangsta-Rap of Haftbefehl

Małgorzata Derecka, Warmia und Mazury-Universität Olsztyn (ORCID: 0000-0002-4971-5782)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-3 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 53–62

Schlüsselwörter: Patchworkdeutsch, Mehrsprachigkeit, Gangsta-Rap, Hybridbildungen, Bricolage, Code-Switching

Die gegenwärtige deutsche Sprache überrascht mit immer innovativeren Erneuerungstendenzen ihres Wortschatzes. Das Bedürfnis nach Sprachentwicklung und Wortschatzerneuerung scheint nach wie vor besonders groß zu sein. Eine der Haupttendenzen der Sprachentfaltung ist die Internationalisierung des Wortschatzes, die unmittelbar auf die Globalisierung und die wirtschaftliche und technische Revolution zurückzuführen ist. So wird in dem Ansatz hinterfragt, inwiefern Code-Switching, Hybrid-Produktion und Bricolagen die Sprache eines der bekanntesten deutschen Rappers mit Migrationshintergrund – Haftbefehl – prägen und dazu beitragen, dass seine auf Mehrsprachigkeit basierenden Texte zur Patchwork-Dichtung werden. Die Analyse der lexikalischen und stilistischen Ebene des bekannten Songs „Chabos wissen wer der Babo ist“ ergab, dass Haftbefehls Sprache ein Art Patchwork ist, das kein gänzlich definiertes Raster für die Sprachentwicklung darstellt und viele Fragen für die zukünftigen sprachwissenschaftlichen Forschungen offenlässt.

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Zur Versprachlichung der Emotionen in Presseinterviews / Expression of Emotions in Press Interviews

Justyna Duch-Adamczyk, Adam-Mickiewicz-Universität Posen (ORCID: 0000-0002-4199-0472)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-4 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 63–78

Schlüsselwörter: Emotionen, Versprachlichung der Emotionen, Presseinterview, Kommunikation

Sowohl in der Boulevard– als auch in der Qualitätspresse erfreut sich das Interview als journalistische Darstellungsform einer etablierten Position. Da ein Gespräch und die zwischenmenschliche Kommunikation die Grundlage der Presseinterviews bilden, enthalten sie sprachliche Mittel, die dem Ausdruck der Emotionen dienen. In dem vorliegenden Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche Emotionen in den ausgewählten Interviews signalisiert werden und wie ihre sprachliche Realisierung erfolgt. Nach den theoretischen Überlegungen werden Ergebnisse der Analyse von zwanzig Interviews angeführt. Es wird bewiesen, dass Emotionen in Presseinterviews nicht nur explizit bezeichnet werden, sondern u. a. dank verschiedener Formeln, Adjektive oder Interjektionen versprachlicht werden. Die so bewirkte Emotionalität in Presseinterviews macht sie besonders verlockend für die Leser.

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Zum Tempusgebrauch in einleitenden und abschließenden Teilen von schriftlichen Arbeiten deutscher und polnischer Germanistikstudierender / The Use of Tense in Introducing and Concluding Parts of the Papers Written by German and Polish Students of German Philology

Adam Gołębiowski, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-2784-3705)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-5 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 79–90

Schlüsselwörter: Tempusgebrauch, Wissenschaftssprache, Deutsch als Fremdsprache

Der Beitrag entstand im Rahmen des deutsch-polnischen Forschungsprojekts „Interdiskurs“, dessen Ziel war, verschiedene Aspekte der Textorganisation und der Formulierungsroutinen in Texten deutscher und polnischer Studierender zu erforschen. In der Studie wird der Tempusgebrauch in Einleitungen und Schlussteilen der Arbeiten von Germanistikstudierenden untersucht. Die Autoren der auf Deutsch verfassten linguistisch orientierten Magister-, Bachelor- und Seminararbeiten sind deutsche und polnische Muttersprachler. Das Ziel der Analyse ist, Tendenzen im Tempusgebrauch in den Einleitungen und Schlussteilen von Texten deutscher und polnischer Studierender zu ermitteln und zu vergleichen. Die Analyse konzentriert sich auf drei Fragen: 1. Welche Tempusformen kommen in den oben genannten Teilen der Arbeiten von deutschen und polnischen Studierenden (am häufigsten) vor? 2. Welche Unterschiede hinsichtlich des Tempusgebrauchs sind zwischen Texten deutscher Muttersprachler und denen der auf Deutsch schreibenden Polen zu beobachten? 3. Entspricht die Verwendung einzelner Tempusformen in den Texten beider Gruppen von Studenten den für deutsche wissenschaftliche Texte geltenden Standards? Lassen sich dabei Unterschiede zwischen deutschen und polnischen Studententexten feststellen? Um diese Fragen zu beantworten, wird der Tempusgebrauch in studentischen Texten mit der Verwendung einzelner Tempusformen in wissenschaftlichen Artikeln von deutschen Linguisten verglichen. Die untersuchte Datensammlung (knapp 4000 Belege) umfasst Beispiele aus Einleitungen und Schlussteilen von 20 deutschen und 20 polnischen studentischen Arbeiten und 10 sprachwissenschaftlichen Artikeln. Die Analyse hat ergeben, dass deutsche und polnische Studierende im Allgemeinen die in wissenschaftlichen Texten geltenden Regeln des Tempusgebrauchs einhalten. Am häufigsten wird in allen Textgruppen Präsens verwendet. Polnische Studierende scheinen aber die Vergangenheitstempora häufiger als deutsche Textautoren (Studenten und Linguisten) zu gebrauchen. Wegen begrenzter Zahl der untersuchten Texte sind diese Ergebnisse jedoch mit Vorsicht zu betrachten. Es empfiehlt sich daher zukünftige Analysen um weitere Texte zu bereichern.

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Konstruktion von Alterität – exemplarisch aufgezeigt an Tacitus, „Historiae“ 5, 2–10 / Construction of Alterity – Exemplified by Tacitus, “Historiae” 5, 2–10

Christian Hild, Universität des Saarlandes (ORCID: 0000-0002-8067-7892)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-6 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 91–105

Schlüsselwörter: Wahrnehmung von Andersgläubigen, Tacitus, Juden

Menschen empfinden alles, was von ihrem Standpunkt aus unbekannt ist, als fremd. Dieser Umstand ist auch bei Religionen, Weltanschauungen und Glaubenspraktiken zu beobachten. Fremdheit kann Neugier erzeugen, die sich zum Beispiel in interreligiösen Dialogen äußert, aber auch zu Vorbehalten führen, die sich schlimmstenfalls in Hass und Diskriminierungen entladen. Das Empfinden von Fremdheit geht auf eine subjektive Wahrnehmung zurück. Allerdings lässt sich Fremdheit bzw. Alterität auch konstruieren, um mögliche manipulative Zwecke zu bedienen. Ein diesbezügliches Beispiel im Blick auf Andersgläubige ist der sogenannte „Judenexkurs“ innerhalb der „Historiae“, einem der Hauptwerke von Tacitus, der zugleich den ausführlichsten ethnographischen Bericht eines römischen Autors über das Judentum darstellt. Der Beitrag fragt danach, mit welchen Wahrnehmungen der römische Historiker erstens auf das Judentum blickt und wie er diese in inhaltlicher und formaler Hinsicht strukturiert, welche Schwerpunkte er zweitens bei der Konstruktion der jüdischen Ethnizität setzt und wie er sie im Blick auf Alterität gestaltet. Als Grundlage der Analyse werden im Anhang die für die Wahrnehmungen relevanten Stellen in Latein und Deutsch aufgeführt und mit laufenden Nummern versehen. Es wird deutlich, dass Tacitus seine Wahrnehmungen des aus seiner Perspektive andersgläubigen Judentums auf unterschiedliche Bereiche, zum Beispiel die Kultpraxis, den Glauben, die Physis, richtet, diese größtenteils in stark misanthropischen Farben schildert und so die jüdische Ethnizität als Alterität konstruiert. Dieser Exkurs wurde bis in die Neuzeit immer wieder als „historischer Beleg“ herangezogen, um gegen Juden zu polemisieren. Die Beweggründe von Tacitus sind aber nicht – wie es in der Forschungsliteratur oft getan wurde – mit Antisemitismus in Verbindung zu bringen, sondern wurzeln zum einen in der Aufwertung eines Kriegsgegners, um dessen ungewohnt erfolgreichen Widerstand gegen römische Truppen zu rechtfertigen, zum anderen in der Warnung an die römische Bevölkerung vor einem Proselytismus. Exemplarisch wird deutlich, dass mit Äußerungsformen subjektiver Wahrnehmung von Andersgläubigen unweigerlich Alterität konstruiert wird, die in unterschiedliche Wahrnehmungen aufgefächert ist.

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Coronavirus (-Pandemie) in Sprache und Denken. Ein Exkurs anhand der deutschen online-Nachrichtenmeldungen / Coronavirus (Pandemic) in Language and Thought. Remarks Based on the German Online News Reports

Hanna Kaczmarek, Jan-Długosz-Universität in Częstochowa (ORCID: 000-0002-6297-2927)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-7 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 107–118

Schlüsselwörter: Corona-Sprache, Corona-Komposita, Coronavirus-Metaphern

Die Corona-Pandemie beherrscht seit mehr als einem Jahr unser Leben und beeinflusst tief gehend fast jede Facette des öffentlichen sowie des privaten Lebens. Die Coronakrise lässt auch die Sprache nicht unberührt und wird dadurch zu einem außerordentlich breiten, vielfältigen und multidisziplinären Forschungsfeld. Der vorliegende Artikel will, inspiriert von der aktuellen Diskussion um die Corona-Pandemie, einen sprachwissenschaftlich orientierten Beitrag zu Coronavirus-Fragen leisten. Das Ziel der Studie ist es, zu zeigen, dass die Corona-Sprache ein effizientes Bild der Lebenswirklichkeit in pandemischen Zeiten bietet und diese Wirklichkeit gleichzeitig mitgestaltet. Zu diesem Zweck werden deutschsprachige Online-Nachrichtenmeldungen aus der Zeit zwischen Mitte Februar 2019 und Anfang November 2020 auf die spezifische Corona-Lexik hin untersucht. Zunächst konzentriert sich die Analyse auf die neu gebildeten substantivischen Corona-Komposita. Im nächsten Analyseschritt wird der aus dem Englischen entlehnte Corona-Wortschatz und die Fachlexik behandelt. In den Blick werden zudem ausgewählte okkasionelle Kontaminationen genommen. Im Weiteren wird beabsichtigt, auf den Zusammenhang zwischen der menschlichen Kognition und der Sprache einzugehen, indem das kognitive Bild von Coronavirus(-Pandemie) mittels der konzeptuellen Metaphern im Sinne von Lakoff/Johnson (2014) ermittelt wird. Die konzeptuellen Metaphern strukturieren das Denken und Handeln des Menschen und müssen als ein wichtiges Mittel der Welterkenntnis betrachtet werden. Die konzeptuelle Struktur von Coronavirus widerspiegelt sich in den metaphorischen Ausdrücken, die aus den Online-Berichterstattungen exzerpiert werden. Die Vielfalt von Coronavirus-Metaphern lässt die Komplexität der Semantikstruktur von Coronavirus aufdecken. Die Untersuchungen zu Corona-Sprache geben Evidenz dafür, dass die Sprache als lebendiger Organismus auf die Tiefenkrisen reagiert und die neue Corona-Welt (mit-)kreiert.

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Argumentationsmuster und -schemata in positiven Arztbewertungen / Argument Patterns and Schemes in Positive Physician Evaluations

Marcelina Kałasznik, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-2713-5880)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-8 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 119–131

Schlüsselwörter: Arztbewertungen, Argumentation, Argumentationsschema, Argumentationsmuster

Heutzutage lässt sich die Tendenz beobachten, im Internet alles, d. h. Produkte, Dienstleistungen, Personen usw., zu bewerten. Die Online-Bewertungen spielen eine große Rolle, weil sie über die Kaufwahrscheinlichkeit eines bestimmten Produkts, über die Inanspruchnahme einer Dienstleistung oder über die Vorabbewertung einer bestimmen Person mitentscheiden können. In diesem Kontext werden im Beitrag Arztbewertungen analysiert, die als Texte aufgefasst werden, in denen ein Patient seinen Arzt nach dem Besuch oder nach der Behandlung bewerten kann. So kommen in Arztbewertungen subjektive Meinungen des Patienten über den Arzt zum Vorschein. Die Funktion von Arztbewertungen, die für alle online zugänglich sind, besteht grundsätzlich darin, die eigene Stellung zum Arztbesuch zu nehmen und die Eindrücke zu beschreiben. Damit ist allerdings die Tatsache verbunden, dass solche Texte auch einen appellierenden Charakter aufweisen, indem sie andere eventuelle Patienten dazu bewegen können, einen entsprechenden Arzt zu wählen. Das Korpus der Untersuchung umfasst knapp 160 Arztbewertungen eines Orthopäden, die im Oktober 2019 dem Arztbewertungsportal jameda.de entnommen wurden. In diesem Zusammenhang wird im vorliegenden Beitrag versucht zu prüfen, welche Argumentationsmuster und -schemata von Internetnutzern gebraucht werden, um andere potenzielle Patienten vom Besuch bei einem Arzt zu überzeugen und diesen weiterzuempfehlen. Bei Argumentationsmustern konnten wiederkehrende Aussagen über Kompetenz des Arztes, Erfolg der Behandlung, freundliche und kompetente Betreuung durch den Arzt und das gesamte Team, über Kommunikationsfähigkeit sowie Stressabbau nachgewiesen werden. Diese Faktoren entscheiden über die gesamte positive Bewertung und über die Weiterempfehlung des Arztes sowie tragen dazu bei, dass sich Patienten bei dem Arzt bedanken. Die identifizierten Kategorien verweisen allerdings auch auf Erwartungen der Patienten in Bezug auf den Arztbesuch. Bei Argumentationsschemata konnten hingegen sprachliche Mittel identifiziert werden, die einen bestimmten Typ der Argumentation einführen (kausale, pragmatische und symptomatische Argumentation sowie die Argumentation anhand der Analogie). Die Analyse ist im Bereich der Pragmalinguistik verankert, wobei deren Ergebnisse auch für Praxisinhaber und Ärzte von Bedeutung sein können, die einen großen Wert auf das Marketing im Netz legen.

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Krieg in den Augen eines Kindes. Analyse der Lexik in der Literatur für Kinder und Jugendliche / War in the Eyes of a Child. Analysis of Lexis in Children and Youth Literature

Paulina Kaźmierczak, Universität Łódź (ORCID: 0000-0002-6980-5988)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-9 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 133–147

Schlüsselwörter: Literatur, Krieg, Kinder, Lexik

In der Studie wird Kriegsliteratur für Kinder und Jugendliche vorgestellt. Die Perspektive der Analyse ist vielschichtig, und das ganze Werk behandelt das wichtige und schwierige Thema der Kriegsführung, der Verfolgung ethnischer, religiöser und nationaler Gruppen, der Vertreibung und des Warschauer Aufstands. Sie berücksichtigt sowohl das Wesen des behandelten Themas als auch das Alter des Publikums, was aufgrund des im Text verwendeten Vokabulars wichtig ist. Der Artikel weist Ungenauigkeiten auf, die aus dem Fehlen spezifischer Richtlinien für die Anpassung der Literatur an die Kompetenz des jungen Adressaten resultieren. (Dies ist nicht der Fall bei Richtlinien für Computerspiele oder Schullektüre). Dies sind zusätzliche Schwierigkeiten, mit denen ein Erwachsener umgehen muss, wenn er ein Buch für ein Kind auswählt. Deshalb ist es wichtig, das Kind zu kennen, seinen Reifegrad und sein Wissen über die Geschichte zu kennen, und oft ist die beste Lösung, einfach gemeinsam zu lesen. Bei der Analyse der in diesem Beitrag besprochenen Bücher sollte auch auf den Zeitraum der Handlung – Vorkriegs-, Kriegs-, Nachkriegszeit-, die Form der Erzählung sowie auf die Sprache bzw. die stilistischen Mittel zur Beschreibung des Krieges geachtet werden. Die beliebtesten Mittel, mit denen man von dem Krieg erzählt, sind Metaphern, Vergleiche, Personifizierung. Der Krieg wird oft mit einem Monster oder einem Riesen verglichen, der alles um sich herum zerstört – sowohl materiell als auch geistig. Im Gegenzug werden die beschriebenen Charaktere und Situationen auf der Grundlage der Opposition von Gut und Böse, Weiß und Schwarz oder in der Situation der Beschreibung aus der Perspektive der Zeit: Vergangenheit und Gegenwart dargestellt. Außerdem werden sprachliche Aktivitäten vorgestellt, die die Emotionen vermitteln, die der Leser beim Lesen empfindet und die er gemeinsam mit den Figuren erlebt. Die Sprachspiele, z. B. Władza Ludowa, das als Władza Lodowa beschrieben wird, oder das Deminutivum sklepiszcza, sind nicht nur interessante Lösungen, die den Text abwechslungsreich gestalten, sondern auch das Verständnis für die Atmosphäre der beschriebenen Zeit erleichtern. Ein wichtiges Element der Analyse ist die Erzählung aus der Perspektive der Kindern, sowohl von Polen, die während des Krieges aufwuchsen, als auch von Juden, die von ihren Familien getrennt und versteckt wurden. Eine solche Beschreibung macht es dem Leser leichter, sich mit der Figur zu identifizieren und den Inhalt besser zu verstehen.

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„Schreien Sie über Funk, wenn Sie bereit sind!“ Über Emotionen im Soziolekt der Eisenbahner / “Shout Over the Radio, when You Are Ready!” Of Emotions in Railwayman’s Sociolect

Olga Kowalczyk, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-6116-2068)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-10 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 149–165

Schlüsselwörter: Soziolekt der Eisenbahner, Professiolekt, Soziolekt-Typologie, Stanisław Grabias, Emotionen in der Sprache

Die Untersuchungen über den Bahn-Wortschatz im Polnischen wurden in den 70er Jahren des 20. Jh. in Gang gebracht. Am häufigsten wurden die Eigennamen der Bahnverbindungen der Analyse unterzogen (Chrematonyme), die aus offiziellen Informationsquellen (Fahrpläne) exzipiert wurden. Die Forschungen über den Bahn-Soziolekt haben aber eine kürzere Tradition, denn bisher stützten sie sich im Grunde genommen ausschließlich auf den Artikel Żmigrodzki (2006). Der Forschungsbereich sollte demnach um weitere Aspekte erweitert werden. In Anlehnung an die funktionale Typologie der Soziolekte von Stanisław Grabias werden der Status und die Rolle der von Eisenbahnangestellten gebrauchten Sprache analysiert. Im Beitrag wirde der Forschungsstand ausführlich besprochen. Darüber hinaus wird auf Publikationen der polnischen Sprachwissenschaftler aus dem 20. und 21. Jh. hingewiesen, die die Analyse von sprachwissenschaftlichen Begriffen des Polnischen im Bereich des Bahn-Wortschatzes betreffen. Es werden außerdem Informationsquellen präsentiert, die für Untersuchungen über den Soziolekt der Eisenbahnangestellten verwendet werden können, darunter die offiziellen – z. B. Wörterbücher oder Zeitschriftenartikel und die inoffiziellen – z. B. Internetforumseinträge). Jede der dargestellten Quellen wird charakterisiert. Im Beitrag wird besonders viel Aufmerksamkeit der Analyse von Ausdrücken in der gesprochenen Sprache geschenkt. Die im Rahmen der soziolinguistischen Untersuchungen gesammelten Korpusbelege stammen aus den Jahren 2017–2020. Wegen der Corona-Pandemie musste aber die Forschung unterbrochen werden. Das erklärte Ziel der Forschung war es zu untersuchen, ob der Soziolekt der Eisenbahnangestellten den emotionalen Charakter hat und falls ja, wie die Emotionen in diesem Soziolekt zum Ausdruck gebracht werden. Das gesammelte Untersuchungsmaterial (150 Aussagen) wurde in 6 Gruppen unterteilt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass der von Eisenbahnangestellten gebrauchten Sprache kein expressiver Charakter zuzuschreiben ist und die in den Aussagen ausgedrückten Emotionen für einzelne Sprecher distinktiv sowie situationsbedingt sind (Sie treten in Ausnahmesituationen auf.). Der im theoretischen Teil angenommenen Voraussetzung gemäß ist der Bahn-Soziolekt ein Beispiel für Professiolekt und seine Funktion hat den professionell-kommunikativen Charakter. Er fungiert also als präzise und möglichst schnelle Gedankenvermittlung offener Natur. Der primäre Denkansatz, dass die Sprache der Eisenbahnangestellten ein Beispiel für Berufsjargon sei, erwies sich also als falsch.

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Code-Switching im Kontext von Tertiärsprachenunterricht für deutschsprachige Rettungskräfte: Russisch in der Notfallkommunikation im deutsch-polnischen Grenzgebiet / Code-Switching in the Context of Third Language Acquisition for German Paramedics: Russian in Emergency Communication in the German-Polish Border Area

Grzegorz Lisek, Universität Greifswald (ORCID: 0000-0003-1613-3855)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-11 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 167–185

Schlüsselwörter: Russisch, notfallmedizinische Kommunikation, Tertiärsprachenunterricht, polnische Kommunikation

Nachbarsprachen, wie beispielsweise Polnisch, gewinnen für die lokalen Gesellschaften in der deutsch-polnischen Region immer mehr an Relevanz. Polnisch spielt allmählich eine größere Rolle nicht nur in der schulischen Ausbildung, sondern auch im grenzüberschreitenden Rettungsdienst und in der notfallmedizinischen Kommunikation. Da bis jetzt die Kommunikation im Rettungsdienst allgemein und insbesondere die fachsprachige Kommunikation auf Polnisch nicht erforscht wurde, hat diese Untersuchung einen Originalwert. Dabei handelt es sich um Erforschung der notfallmedizinischen Kommunikation im Projekt InGRiP. Der Beitrag geht der Frage des Code-Switchings von deutschsprachigen Rettungskräften nach, die Polnisch als Fremdsprache im Projekt InGRiP lernen. Im Fokus der Untersuchung steht die fremdsprachendidaktische Perspektive. Polnisch wird als Tertiärsprache gelernt. Deswegen wird der Frage nachgegangen, ob die bereits gelernten Fremdsprachen einen Einfluss auf notfallmedizinische Kommunikation haben. Methodisch gesehen geht es um gesprächsanalytisches Verfahren, das anhand von aufgenommenen und transkribierten Sprachdaten durchgeführt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die russische Sprache eine Rolle bei der Kommunikation in Form von nicht-funktionalem Code-Switching und beim Erlernen des Polnischen als Ressource spielt. Russisch wird durch die Auslösewörter aktiviert und somit kommt es zum Code-Switching, was ebenso einen positiven Effekt haben kann, wenn dies richtig gesteuert wird. Diese Ressource gilt sicherlich noch intensiver zu nutzen, z. B. durch reflektiertes Einbeziehen des Russischen in den Unterricht, um das Polnischlernen dadurch zu stärken.

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Intertextualität als Teil der Argumentationskompetenz / Intertextuality as a Part of Argumentative Competence

Abdel-Hafiez Massud, PH Karlsruhe (ORCID: 0000-0003-0299-7935)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-12 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 187–204

Schlüsselwörter: Argumentationskompetenz, Intertextualität, Autoritätsargumente, Analogieargumente

Im vorliegenden Beitrag wird das Ziel verfolgt, die Rolle der Intertextualität der angehenden Studierenden mit und ohne Erste Sprache Deutsch als Teil der Argumentationskompetenz beim schriftlichen Argumentieren zu untersuchen. Es wird ein explizites und ein implizites Konzept zur Analyse der Intertextualität entwickelt. Im Mittelpunkte der Analyse ist ein Korpus von 40 Aufsätzen der Schülerinnen und Schüler. Die Probanden sind zum einen 20 Schüler*innen, die Deutsch als ihre Erstsprache haben bzw. in Deutschland geboren und sozialisiert sind und zum andern 20 weitere mit Migrationshintergrund, die eine andere Erstsprache (z. B. Türkisch, Serbisch, Kroatisch, Albanisch, Arabisch, Kurdisch etc.) haben. Ziel der Analyse dieses authentischen Korpus ist der Versuch, auf die folgenden Fragen empirisch unterstützte Antworten zu finden: Welche Elemente der Intertextualität kommen in Schüler*innentexten der Oberstufe vor? Durch welche Elemente der Intertextualität werden welche Argumenttypen konstruiert? Gibt es Unterschiede zwischen den Schüler*innen mit Erstsprache Deutsch und denen mit DaZ? Und wie relevant sind die jeweiligen Argumente? Nach der Besprechung der unterschiedlichen Konzepte der Intertextualität formuliert dieser Beitrag die eigene Definition. Meine Methode ist quantitativ und zugleich qualitativ ausgerichtet. Dabei richtet der Beitrag Fragen an das Korpus z. B. ob es explizite oder implizite Elemente der Intertextualität gibt; und wenn ja, welche? Und auf welche Referenztexte (z. B. Texte, Autorität, Erfahrung, Welt- und Medienwissen etc.) könnten sich diese Elemente der Intertextualität zurückführen lassen? Bzw. welche der festgestellten Elemente dienen dazu, ein Argument (z. B. Autoritätsargumente, Analogieargumente) zu konstruieren bzw. zu präsentieren? Der Beitrag kommt zum Schluss, dass die meisten Argumente, die intertextuell konstruiert werden, Autoritätsargumente, Analogie-Argumente sowie Generalisierungsargumente sind. Zudem kommt der Beitrag zum Ergebnis, dass die direkt oder indirekt zitierten Texte oft falsch oder manipulativ verstanden wurden. Der Beitrag plädiert daher für die verstärkte bewusste Aufnahme der intertextuellen Kompetenz in die Argumentationsdidaktik.

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Die Trajector/Landmark-Konfigurationen in den räumlichen Bedeutungen der Präposition an und ihren polnischen Entsprechungen / The Trajector/Landmark Configurations in the Spatial Meanings of the Preposition an and their Polish Counterparts

Jolanta Mazurkiewicz-Sokołowska, Universität Szczecin (ORCID: 0000-0002-0699-5518)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-13 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 205–218

Schlüsselwörter: Präposition, Bedeutung, konzeptuelle Ebene

Im Beitrag werden aus der Perspektive der Kognitiven Linguistik die Trajector (TR)/Landmark (LM)-Konfigurationen in den räumlichen Bedeutungen der Präposition an auf der konzeptuellen Ebene analysiert und mit ihren polnischen Entsprechungen verglichen. Den Untersuchungsgegenstand bilden ausgewählte Beispielaussagen aus dem DWDS-Korpus und ihre translatorischen Äquivalente. Die festgestellten TR/LM-Relationen werden auf Ähnlichkeiten und Unterschiede überprüft. Das Hauptaugenmerk gilt dem Konzept der Fläche als LM in ihrer vertikalen und horizontalen Ausrichtung sowie der Kasusbestimmung. Die kognitionslinguistischen Untersuchungen der Semantik der Präpositionen betreffen vor allem die englische Sprache. So ist der originale Wert der vorliegenden Analyse ihre kontrastive deutsch-polnische Ausrichtung. Das Ziel der Analyse ist die Bestimmung der TR/LM-Relationen, der Differenzen in der Konzeptualisierung der Szene, je nachdem, welche Objekte den LM bilden und welche als TR hervorgehoben werden. Es wird der Frage nachgegangen, wie die Konzeptualisierung des LMs und/oder des TRs der Präposition die Konzeptualisierung der Szene und die Bedeutung der Präposition beeinflusst. Die Analyse stützt sich auf die Erkenntnisse der Kognitiven Grammatik zu der Auffassung der Bedeutung als Konzeptualisierung (Langacker 2008) und auf die schematische Konzeptualisierung der TR/LM-Relation als räumlicher Relation zweier Punkte (Herskovits 1986). Dabei wird der TR als der Punkt im Fokus und der LM als sein räumlicher Bezugspunkt angesehen (Langacker 2008). Infolge der Analyse wurden die Schemata der Fortbewegung, des Transfers und der Lokalisation mit verschiedenen TR/LM-Konfigurationen ausgesondert. Der Vergleich der analysierten Äußerungen mit ihren polnischen Entsprechungen ergab Unterschiede in der Konzeptualisierung der Szene, die sich in der Wahl der Präpositionen manifestierten. Es stellte sich ferner heraus, dass sich die deutsche Präposition an und ihre polnischen Entsprechungen hinsichtlich der Relevanz/Irrelevanz der Bewegung, Nichtbewegung und Richtung für die Kasusbestimmung bzw. Kasuswahl unterscheiden sowie in Bezug auf die Konzeptualisierung der Fläche als des LMs im Hinblick auf ihre vertikale und horizontale Ausrichtung.

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„Early to Bed / Früh zu Bett“ Parömiographische Vermittlung zwischen Benjamin Franklin und K. F. W. Wander / “Early to Bed / Früh zu Bett”: Paremiographical Exchange Between Benjamin Franklin and K. F. W. Wander

Wolfgang Mieder, Universität von Vermont

DOI: 10.23817/lingtreff.19-14 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 219–263

Schlüsselwörter: Benjamin Franklin, Parömiographie, Sprichwort, Übersetzung, Ursprung, K. F. W. Wander

Im Jahre 1758 hat der bekannte Benjamin Franklin (1706–1790) seinen bedeutenden Aufsatz „The Way to Wealth“ veröffentlich, der in vielen Auflagen und Übersetzungen weltweit bekannt geworden ist, und zwar im Deutschen erstmals als „Der Weg zum Reichtum“ in 1794. Die darin enthaltenen 93 Sprichwörter sind der Grundstein der sogenannten puritanischen Arbeitsmoral in Amerika. Bei manchen Sprichwörtern handelt es sich um Texte, die vor Franklin in englischer und auch in anderen Sprachen bereits gängig waren. Es sind aber auch siebzehn Sprichwörter darunter, die von Franklin erfunden worden sind. Dieser Aufsatz untersucht, wie sechs Übersetzer die Sprichwörter ins Deutsche übertragen haben (vgl. den vergleichenden Katalog) und wie Karl Friedrich Wilhelm Wander diese Texte mit oder ohne Quellenbeleg in sein fünfbändiges „Deutsches Sprichwörter-Lexikon“ aufgenommen hat.

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Liga Hanseatica. Eine Analyse aus linguistischer und kulturwissenschaftlicher Sicht / Liga Hanseatica. An Analysis from a Linguistic and Cultural View

Lyubov Nefedova, Pädagogische Staatliche Universität Moskau (ORCID: 0000-0002-2871-895X)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-15 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 265–277

Schlüsselwörter: linguistische und kulturelle Sichtweise, Realia, monokulturelles Konzept, multi- und interkulturelles Konzept

Die Studie widmet sich der Erforschung des Hanse-Konzepts aus linguistischer und kulturwissenschaftlicher Sicht und ist damit eine Ergänzung zu den aktuellen Studien auf dem Gebiet der kulturorientierten deutschen Sprachwissenschaft. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer korpusbasierten Analyse der Verwendung des Lexems Hanse und anderer kulturgebundener Lexeme (Realia), wie Hansestadt, Hanseat, hanseatisch, Hansetag, Hanse Sail u. a., die das Hanse-Konzept im aktuellen Diskurs darstellen und einen Einblick in seinen konzeptuellen Gehalt geben. Es wird festgestellt, dass die Lexeme Hanse, Hansestadt, Hansetag ein kulturelles Konzept repräsentieren, dessen wichtige semantische/konzeptionelle Merkmale Gemeinschaft, Handelsbündnis von Kaufleuten (von Städten) und Vergangenheit (Mittelalter) sind. Die alte Hanse ist ein zur Vertretung gemeinsamer, vor allem wirtschaftlicher Interessen gebildeter Zusammenschluss von Kaufleuten, später von Handelsstädten im Mittelalter. Sie heißt auch Deutsche Hanse, lateinisch Hansa Teutonica oder Hansa Alemanniae und wird als eine einmalige Erscheinung der deutschen Geschichte betrachtet. Die 1980 gegründete Hanse der Neuzeit (der Städtebund DIE HANSE), die 16 Länder umfasst, ist eine Gemeinschaft neuer Art, eine Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte über die Grenzen hinweg. Es ist ein Bündnis von europäischen Städten im gemeinsamen multikulturellen Raum mit dem Ziel, einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas zu leisten. Heute gehören zum Bündnis 195 Städte in Mittel-, Nord- und Nordosteuropa, darunter auch Städte außerhalb des deutschsprachigen Raumes. Das Lexem Hanse wird im Gegenwartsdiskurs in neue Kontexte eingebettet, es taucht mit attributiv gebrauchten Adjektiven wie neu und international auf: die Neue Hanse, der Internationale Hansetag. Das Lexem Hansestadt ist ein Namensbestandteil zahlreicher europäischer Städte, die früher der Hanse angehörten. Der neue Hanse-Begriff enthält folglich das semantische/konzeptionelle Merkmal international. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass sich das monokulturelle Hanse-Konzept (Deutsche Hanse) im Laufe der Zeit zu einem transkulturellen, sowie einem multi- und interkulturellen, einem verschiedene Kulturen verbindenden Integrationskonzept (Internationale Hanse) entwickelt hat.

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Reflexive Konstruktionen im Deutschen und Slowakischen im Vergleich / Reflexive Constructions in German and Slovak in Comparison

Alexandra Popovičová, Pavol-Jozef-Šafárik-Universität in Košice (ORCID: 0000-0001-6575-6966 )

DOI: 10.23817/lingtreff.19-16 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 279–289

Schlüsselwörter: Reflexivität, reflexive Verben, Reflexivum, sprachlicher Vergleich

Sowohl im Deutschen als auch im Slowakischen gehören die reflexiven Konstruktionen, also solche, in denen die Komponente sich im Deutschen bzw. sa/si (in der längeren Form seba/sebe) im Slowakischen auftritt, zu geläufigen Konstruktionen, in deren Gebrauch sich wesentliche Parallelen aber auch Kontraste erkennen lassen. Für beide Sprachen gilt, dass die Reflexivität weitgehend polysemantisch ist. Die Reflexivierung kann unterschiedlich motiviert sein. Das Reflexivum kann unterschiedliche morphosyntaktische Merkmale aufweisen und verschiedene Funktionen erfüllen. Im Rahmen der Deutsch-Slowakischen kontrastiven Linguistik wurde das Phänomen der Reflexivmarkierung bisher eher peripher behandelt. Das Ziel einer solchen Analyse ist deshalb, anhand kontrastiver Gegenüberstellung von semantischen und morphosyntaktischen Aspekten der reflexiven Konstruktionen in beiden Sprachen die Übereinstimmungen als auch Kontraste aus der sprachsystematischen Sicht zu erörtern. Dabei sollen die wichtigsten Funktionen der Reflexivierung veranschaulicht werden. Zu diesem Zweck werden die Auffassungen in deutschen und slowakischen Grammatiktheorien analysiert und an konkreten Beispielen verglichen. Behandelt werden reflexive Verben im engeren Sinne (obligatorisch reflexive Verben), reflexive Verbvarianten von nicht reflexiven Verben, Verben mit semantischer Reflexivität, reziproke Verben und reflexive Konstruktionen mit passivischer Satzperspektive: Reflexivpassiv, Medio-Passiv und sich-lassen-Konstruktionen. Auf Grund der Analyse wurde festgestellt, dass es zwischen den beiden Sprachen terminologische Diskrepanz bei der Bestimmung von Klassen der Verben mit Reflexivpronomen gibt, die aber durch eine erweiterte Definition aufgehoben werden kann. In beiden Sprachen ist die Reflexivmarkierung polyfunktional. Eher als die Rückbezüglichkeit gehören zu den wichtigsten Funktionen der Reflexivierung vor allem die Deagentisierung und besonders im Slowakischen die Formenbildung. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass das Reflexivpassiv im Slowakischen als Äquivalent zum deutschen Vorgangspassiv gilt. In allen Hinsichten zeigt sich, dass der Bereich der Reflexivität in beiden Sprachen weit über die Verbsemantik hinausreicht.

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Deutschland will kein starkes Polen / Deutschland will Polen abstrafen – Persuasion in einem Medientext am Beispiel der Schlagzeilen in den polnischen Hauptnachrichten „Wiadomości“ / Deutschland will kein starkes Polen / Deutschland will Polen abstrafen –Manipulation in a Media Text Based on Headlines in the Polish News „Wiadomości“

Michał Smułczyński, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-3699-4724)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-17 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 291–301

Schlüsselwörter: Persuasion, Schlagzeile, Nachrichten

Die Partei PiS, die in Polen seit Oktober 2015 regiert, hat sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen TVP völlig unterworfen. Jeden Tag läuft die staatliche Propaganda, deren Symbol die Schlagzeilen in den polnischen Hauptnachrichten Wiadomości ‚Nachrichten‘ geworden sind. Deutschland neben der Opposition und der EU wird darin am häufigsten angegriffen. Schlagzeilen wie „Deutschland will kein starkes Polen”, „Brüssel, Berlin und die Opposition sind gegen Polen”, „Die Opposition und Deutschland wollen Polen abstrafen” gehören nicht zu Seltenheit und werden von Internetnutzern scherzhaft als paski grozy ‚Grauen-Schlagzeilen‘ genannt. Der Beitrag hat zum Ziel, ausgewählte Schlagzeilen in Bezug auf die sprachlichen Persuasionsstrategien zu untersuchen, die in Polen einerseits zur Verstärkung des negativen Bildes von Deutschland dienen, andererseits zur Aufheizung der deutschland-feindlichen Emotionen führen. Als Schlagzeile wird hier ein kurzer Satz oder Satzellipse verstanden, die einen visuellen Charakter hat und für das richtige Journalistenmaterial eine einleitende Funktion erfüllt. Der Charakter und die kommunikationspragmatische Rolle von solchen Schlagzeilen fallen mit denen aus der Presse bekannten Schlagzeilen zusammen. Das Korpus umfasst 34 Schlagzeilen, die aus dem Zeitraum 2016–2019 kommen und im Hinblick auf die darin berührten Themen in vier Domänen unterteilt wurden: Politik, Geschichte, Gesellschaft oder Wirtschaft. In der Analyse werden Elemente berücksichtigt, die sich auf die sprachliche Ausdrucksweise der Realitätsbewertung beziehen. Es werden vier Gruppen von diesen Elementen unterschieden: die vom Autor unabhängigen Wörter und Ausdrücke, die Fragesätze, die Bewertungselemente auf dem System- und Satzniveau und die Bewertungselemente, die auf den außensprachlichen Kontext verweisen. Aus der Analyse geht hervor, dass mithilfe der Bewertungselemente auf dem System- und Satzniveau, Konnotationen und Implikaturen Deutschland und Deutsche in einem eindeutig ungünstigen Licht dargestellt wurden. In acht Schlagzeilen wurde das Implizieren von negativen Informationen festgestellt, fünf Schlagzeilen beinhalten negative Konnotationen, in sechs Schlagzeilen wurden zu neutralen Begriffen andere negativ geladene Bewertungselemente hinzugefügt. Schließlich treten in sieben Schlagzeilen Lexeme vor, die ausschließlich eine feindseligkeitserhöhende Rolle haben. Nur 3 Schlagzeile wurden als neutral klassifiziert.

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Was kann uns schwache sprachliche Synästhesie über „starke synästhetische Metapher“ sagen? Schwache vs. starke Synästhesie im Deutschen und deren Problemstellen veranschaulicht am Beispiel des Lexems Freude / What Can Weak Linguistic Synaesthesia Tell us about “Strong Synaesthetic Metaphor”? – Weak vs. Strong Synaesthesia in German and its Problematic Issues Exemplified on the Analysis of the Lexeme Freude

Przemysław Staniewski, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-1903-6316)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-18 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 303–326

Schlüsselwörter: Metapher, Metonymie, Sinneswahrnehmung, kontextuelle Einbettung

Die Synästhesie ist zweifellos eine sehr komplizierte und komplexe Erscheinung. Nicht nur ihr Wesen, sondern auch ihre Definition scheint viele Schwierigkeiten im neurokognitiven und vor allem sprachlichen Bereich zu bereiten. Sowohl die schwache als auch die starke sprachliche Synästhesie wird jedoch pauschal als Metapher betrachtet. Der erste Teil des Beitrags zielt darauf ab, zunächst die definitorischen mit der Synästhesie verbundenen Probleme sowie ihre Typen aus neurokognitiver Perspektive darzustellen. Ferner werden unterschiedliche Herangehensweisen hinsichtlich ihres sprachlich-konzeptuellen Wesens samt ihren theoretischen und analytischen Problemstellen präsentiert, die sich vor allem auf die Betrachtung der sowohl schwachen als auch starken sprachlichen Synästhesie als Metapher (seltener wird sie als Metonymie, Metaphtonymie oder keine der genannten interpretiert) beziehen. Es wird gezeigt, dass sich die schwachen synästhetischen Ausdrücke aus dem theoretischen Blickwinkel eindeutig als Metaphern klassifizieren lassen, wobei eine eindeutige Kategorisierung der starken Synästhesie nicht offensichtlich ist. Anschließend wird in dem zweiten Teil des Beitrags auf der Basis der Kookkurrenzen des Lexems Freude im Korpus demonstriert, dass sich die scheinbar unkomplizierten Fälle der schwachen sprachlichen Synästhesie von der interpretatorischen Seite her ebenso als problematisch erweisen. Je nach der kontextuellen Einbettung können sie als Metaphern oder Metonymien (unterschiedlicher Art) betrachtet werden. Dies führt zum folgenden Schluss: Wenn die schwachen synästhetischen Ausdrücke nicht eindeutig als Metaphern angesehen werden können, umso mehr sollte man die starken sprachlichen Synästhesien nicht pauschal als Metaphern klassifizieren. In solch einem komplexen Bereich wie die Sinneswahrnehmung ist die kontextuelle Einbettung für die Kategorisierung eines synästhetischen Ausdrucks von fundamentaler Bedeutung.

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Adjektive deutsch/niemiecki und polnisch/polski im Lichte der biskopalen Wörterbücher für das Sprachenpaar Deutsch und Polnisch / Adjectives deutsch/niemiecki, polnisch/polski in the Light of Bilingual Dictionaries for German and Polish

Joanna Szczęk, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0001-8721-6661)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-19 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 327–337

Schlüsselwörter: Wörterbucheintrag, deutsch, polnisch, Wörterbuch, biskopale Wörterbücher

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass sich in den lexikographischen Werken das gegenwärtige Leben der jeweiligen Sprachgemeinschaft widerspiegelt und sie daher einen dokumentierenden Charakter der Zeiten haben, in denen sie entstanden sind. Das betrifft die Inhalte, v. a. Definitionen und Beispiele, die sich zu einem Bild bestimmter Epochen zusammenfügen. Eine besondere Komponente dieses Bildes sind auch Lemmata, die von Ländernamen abgeleitet werden, da man in solchen Lemmaeinträgen Informationen über das jeweilige Volk findet. Wie umfangreich sind solche Wörterbuchartikel und welche Informationen sie enthalten, sind die Ziele der Analyse von Adjektiven, die von zwei Ländernamen abgeleitet werden: deutsch/niemiecki und polnisch/polski in biskopalen Wörterbüchern für das Sprachenpaar Deutsch und Polnisch. Der Analyse werden sowohl Bedeutungsangaben als auch Beispiele in den Wörterbucheinträgen unterzogen. Das Ziel ist Ähnlichkeiten und Unterschiede aufzudecken und die Frage zu beantworten, ob die von den Ländernamen abgeleiteten Adjektive in ihrer lexikographischen Beschreibung Informationen bezüglich des jeweiligen Volks enthalten. Es ist auch ein Versuch, Muster für die Erstellung der Wörterbucheinträge der analysierten Herkunftsadjektive zu erstellen. Aus der Analyse geht hervor, dass die Lemmartikel um die genannten Herkunftsadjektive nicht besonders ausgebaut sind und nur grundlegende Informationen enthalten. Auf der Grundlage der Analyse wird daher dafür plädiert, solche Lemmaartikel mehr auszubauen, indem u. a. mehrere Informationen hinzugefügt werden, die den nationalen Charakter besser charakterisieren würden. Somit kann die Analyse einen Beitrag zur Wörterbuchherstellung – Gestaltung der Wörterbuchartikel leisten.

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Von der Primär- zur Sekundärmotivation. Der semantische Sprung bei Volksetymologie und Verballhornung / From Primary Motivation to Secondary Motivation. The Semantic Jump Connected with Folk Etymology and Corruption

Winfried Ulrich, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (ORCID: 0000-0002-4863-4702)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-20 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 339–355

Schlüsselwörter: Morphologische Bewusstheit, Durchsichtigkeit/Motivation, Volksetymologie, Verdeutlichung, Verballhornung, Malapropismus, Sprachspiel

Der historische Motivationsverlust führt bei vielen komplexen Wörtern dazu, dass sie wie Simplizia arbiträr oder aber nur noch teilmotiviert sind. Dieser Zustand ist für die Sprachgemeinschaft unbefriedigend. Sie bemüht sich um eine neue morphologische und semantische Vernetzung der Lexeme im Lexikon durch Rückgriff auf lautähnliche lexikalisierte Ausdrücke. So kommt es zu Verdeutlichungen, volksetymologischen Umwandlungen, Verballhornungen, sprachspielerischen Veränderungen und unbeabsichtigt auch zu Malapropismen. An die Stelle der verlorenen Primärmotivation tritt eine Sekundärmotivation. Untersucht wird die Beziehung zwischen beiden. Sind die beiden Wörter bzw. Wortformen jeweils nur durch lautliche Gemeinsamkeiten verbunden, oder gibt es auch eine semantische Kontinuität durch gemeinsame semantische Merkmale und/oder den gleichen Verwendungskontext? Welcher Art ist der vollzogene „semantische Sprung“?

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Das Phänomen auf der Zunge. Zu Spezifik und Humorindikatoren der Zungenbrecher / The Specificity and Comical Features of Tongue-Twisters

Iwona Wowro, Schlesische Universität (ORCID: 0000-0002-5377-9674)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-21 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 357–372

Schlüsselwörter: Zungenbrecher, Humor

Zungenbrecher als seltsame Sprachkreationen sind ein Beispiel der wahren Sprachakrobatik und des Sprachspiels zugleich. Obwohl sie viele humoristische Inhalte und Formen kumulieren und durch relativ große Typenvielfalt gekennzeichnet sind, werden sie nur selten zum Gegenstand sprachwissenschaftlicher Betrachtung. Viele beruhen auf Wiederholungen von bestimmten, gleichklingenden Wörtern oder ganzen Strukturen, einige entbehren jedoch des tieferen Sinns, was jedoch ihre Funktion nicht in Frage stellt, sondern eher ihre Spezifik hervorhebt. Unter anderem aus diesen Gründen stellt die Analyse von deutschen Zugenbrechern das Ziel der Studie dar, die ihre charakteristischen Merkmale, Bildungsmöglichkeiten sowie die ihnen innewohnenden Humormechanismen aufzeigen soll. Zu diesem Zweck werden ihre formale (morphologisch-syntaktische) Typenvielfalt sowie Elemente des Humors (Wortspiele, Modifikationen, Ironie, unerwartete Inhalte u. a.) besprochen, die ein besonderes Beispiel dafür sind, dass der Flexibilität und Kreativität eigentlich keine Grenzen gesetzt sind. Die Ergebnisse der Analyse sensibilisieren für eine breite Palette von Möglichkeiten zu ihrer Bildung, sie veranschaulichen zudem die den Zungenbrechern innewohnenden Humorindikatoren, selbst wenn viele eher Flachwitzen gleichen.

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Grundlagen der kognitiven Linguistik im Lichte des Denkens von Kant, Wittgenstein und Whorf / The Fundaments of Cognitive Linguistics in the Light of Kant, Wittgenstein, and Whorf

Aleksander Kacprzak, Adam-Mickiewicz-Universität (ORCID: 0000-0002-2961-8221)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-22 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 375–385

Schlüsselwörter: Kognitive Linguistik, Kant, Wittgenstein, Whorf, Sprachphilosophie

In den letzten 30 Jahren wurde ein bedeutender Teil der linguistischen Forschung in der Strömung der von Lakoff und Johnson formulierten Philosophie des Erfahrungsrealismus durchgeführt. In dieser Philosophie wird die Sprache als Schüssel zur Entdeckung von unbewussten Denkprozessen des Menschen betrachtet, und es wird mit solchen Begriffen wie Konzeptualisierung, konzeptuelle Metapher oder Bildschemata operiert. Jedoch trotz des Erfolges, den kognitive Linguistik hatte, können die grundlegenden philosophischen Richtlinien, auf denen das Paradigma aufgebaut wurde, immer noch Kontroversen und lebendige Diskussionen auslösen. Ziel des Beitrags ist die Darstellung einiger Fragen bezüglich des gegenwärtigen kognitiven Ansatzes durch die Rückverfolgung seiner Wurzeln in der Philosophie von Immanuel Kant, Ludwig Wittgenstein und Benjamin Lee Whorf. Am Anfang wird die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wo sich die Philosophie des Erfahrungsrealismus im Kontext der Unterscheidung zwischen dem Realismus und dem Antirealismus befindet, und es wird danach gestrebt zu veranschaulichen, dass ein Versuch die Hauptannahmen des Realismus mit gleichzeitiger Zuteilung der Hauptrolle der menschlichen Konzeptualisierung sich in großem Maße auf die kantische „kopernikanische Revolution“ bezieht. Noch mehr Spuren können im späten Werk von Wittgenstein „Philosophical Investigations“ gefunden werden, das als Grundlage der gegenwärtigen Kategorisierungstheorie angesehen werden kann, und in dem er nicht nur bewusst gemacht hat, dass die Grenzen zwischen den Kategorien fließend sind, sondern er hat auch die bisher dominierende atomistische Betrachtungsweise der Bedeutung in Frage gestellt. Die vielleicht interessantesten Inspirationen können in den Schriften von Whorf gefunden werden. Er war wie auch die heutigen Kognitivisten stark an der Vielfalt der Modelle, die Menschen auf die wirkliche Welt aufsetzen, interessiert, und er kann in großem Maße der gegenwärtigen Theorie der konzeptuellen Metaphern zuvorgekommen sein. Die Einsicht in die Philosophie der drei im Beitrag diskutierten Denker ermöglicht, die Wurzeln der gegenwärtigen kognitiven Linguistik zu verstehen, und einige Kontroversen, die sich über Jahre aufgehoben haben, auszutragen.

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Sprache in der Philosophie: Martin Heidegger und Bernhard Welte / Language in Philosophy: Martin Heidegger and Bernhard Welt

Olga Kryuchkova, Moskauer Staatliche Linguistische Universität (ORCID: 0000-0003-4485-6495)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-23 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 387–394

Schlüsselwörter: Sprachtheorie, Sprechen, Wahrheit

Am Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt eine linguistische Wende in der Geschichte der Philosophie. Philosophen beschäftigen sich mit dem Phänomen der Sprache, um sprachliche Vermittlungsformen genauer zu untersuchen. Dieser Beitrag beleuchtet die deutsche Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Martin Heidegger und Bernhard Welte. Da die Ideen der Philosophen als einen Angelpunkt in der Philosophie des 20. Jahrhunderts betrachtet werden können, ist die Forschung von besonderer Bedeutung. Das Ziel dieser wissenschaftlichen Studie liegt in der Untersuchung der zwei verschiedenen Herantreten zur Frage nach dem Wesen der Sprache. Heidegger, dessen Gedanken zahlreiche Denker beeinflussten, und Welte entwarfen, aufgrund der Übersetzung, dass der Sprache eine wichtige Rolle bei der Wahrheitskenntnis zukommt, je eigene Zugänge zu einer Philosophie der Sprache. Zu diesem Zweck wurde mithilfe eines Rekonstruktionsverfahrens die Analyse der Sprachtheorien dargestellt. Daraus ergibt sich, dass Heideggers Philosophie auf seiner Terminologie basiert, die dabei hilft, die Tiefe seines Denkens wahrzunehmen. Welte arbeitete ein Konzept einer Theorie der Sprache aus. Er bezweckte damit, brauchbare Zugänge zu einer angemessenen Kommunikation aufzuzeigen. Abschließend lässt sich unterstreichen, dass beide Philosophen die Notwendigkeit von Sprache als Vermittlerin zwischen Gott und Mensch betonen und zu weiteren Forschungen anregen. Die Ergebnisse dieser Studie sind für Linguisten und Philosophen bemerkenswert, weil dank Heidegger in der Philosophie des 20. Jahrhunderts viele neue unabhängige philosophische Richtungen und Schulen entstanden sind, die zur Entwicklung sowohl der Sprache, als auch der wissenschaftlichen interdisziplinären Bereiche entscheidend beigetragen haben.

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Językowy obraz świata na przykładzie niemieckichi polskich związków frazeologicznych z komponentem Hand/ręka / Linguistic Worldview on the Example of German and Polish Phrasemes with Component Hand/ręka

Aleksandra Lidzba, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-3474-5495)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-24 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 395–408

Schlüsselwörter: Phraseologie, Phraseme, sprachliches Weltbild

Viele abstrakte Phänomene und Konzepte können mit Hilfe von Sprache beschrieben werden. Die Welt wird durch Sprache wahrgenommen und Sprache ist eines der Werkzeuge für ihre Beschreibung. Den Ausgangspunkt der Studie bildet das Konzept des sprachlichen Weltbildes nach Bartmiński (2012). Besondere Ausdrucksmittel, die zum komplexen sprachlichen Weltbild beitragen, sind Phraseologismen, die auf kompakte Weise die Wahrnehmung der Welt durch die Benutzer einer bestimmten Sprache widerspiegeln. Im Rahmen der Forschung wird eine vergleichende Analyse der deutschen und polnischen Phraseologismen durchgeführt, deren obligatorische Komponente das Lexem Hand/ręka ist. Das empirische Material stammt aus den phraseologischen Wörterbüchern beider Sprachen. Phraseologische Einheiten werden entsprechend ihrer Semantik in Gruppen unterteilt. Das Ziel der Analyse ist die Vielfalt der Bedeutungen von untersuchten Phraseologismen und die Ausdrucksmöglichkeiten aufzuzeigen, die uns die oben genannten Strukturen eröffnen. Die Analyse des zusammengestellten Korpus ermöglicht eine allgemeine Schlussfolgerung zu ziehen: Die erstellten und untersuchten semantischen Gruppen von Phraseologismen, die das Lexem Hand/ręka enthalten, weisen eine sichtbare Symmetrie auf. Es kann sich unter anderem daraus ergeben, dass sowohl im Deutschen als auch im Polnischen die Hand und ihre Funktionen auf ähnliche Weise wahrgenommen werden, was eine wichtige Information für das sprachliche Weltbild beider Kulturen scheint. Diese Analyse kann einen Beitrag zu weiteren Forschungen des sprachlichen Weltbildes bilden, das in Phraseologismen mit dem Lexem Hand/ręka enthalten ist.

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Spruchbänder der Fußballfans im Lichte der Sprechakttheorie / Banners of Football Fans in the Light of Speech Act Theory

Paulina Michalska, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-3138-5110)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-25 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 409–422

Schlüsselwörter: Fußballlinguistik, Sprechakte, Banner, Text

Der vorliegende Beitrag reiht sich in die Untersuchungen der Fußballlinguistik ein. Sein Ziel ist es, die in den deutschen und polnischen Fußballstadien erscheinenden Spruchbänder im Lichte der Sprechakttheorie zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Es soll gezeigt werden, dass in einem Fußballstadion nicht nur Fußballspiele stattfinden, sondern auch gesellschaftliche, soziale oder politische Anliegen angesprochen und verarbeitet werden. Als Maßstab fungieren bei der Analyse die folgenden Fragen: In welchen Aspekten sind sich die deutschen und polnischen Spruchbänder ähnlich? Welche Unterschiede gibt es zwischen ihnen? Mit welcher sprachlichen Absicht handeln die Autoren dieser Texte und wie sollen diese gemäß der emotionalen Ladung eingestuft werden? Nach der theoretischen Einleitung, die die begrifflichen Grundlagen der Textlinguistik kurz schildert und dabei Bezug auf den Fußball und seine Sprache nimmt, wird die Analyse des gesammelten Korpus dargestellt. Das Korpus besteht zuvörderst aus auf Spruchbändern erschienenen Texten, die gemäß der Originalschreibung transkribiert sind, sowie aus genauen Angaben zu den jeweiligen Spielen. Jedem Text sind ein oder mehrere Sprechhandlungstypen zugeordnet, wobei ihre Anzahl auf 26 beschränkt ist. Die Zuordnung erfolgt auf der Grundlage von Searles Sprechakttheorie. Des Weiteren wird jeder Text axiologisch ausgewertet. Hierfür ist es in den meisten Fällen unentbehrlich, den genauen Kontext, in den das Spruchband eingebettet ist, zu kennen, außerdem spielen der Wortschatz und die Adressatengruppe eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse der Analyse werden numerisch zusammengefasst. Ihre Besprechung wird durch Schlussfolgerungen abgerundet, die sich unter anderem darauf beziehen, dass die Sprache der Fußballfans sehr männlich geprägt, direkt, manchmal vulgär und brutal ist. Auf den Tribünen steht das Kollektiv klar über dem Individuum. Zum Vorschein kommen aber auch solche Werte wie Würde, Ehre und Respekt. Die vorliegende Analyse ist nicht nur eine linguistische Auseinandersetzung mit einem sprachlichen Phänomen, sondern auch ein Überblick über eine vielfältige und facettenreiche Kultur, die ein Teil der Gesellschaft ist.

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Zur polnisch-deutschen Übersetzung von Kulinarien in den Speisekarten. Versuch einer Fehlertypologie / Polish-German Translation of Culinary Products in the Menus. Attempt at Mistakes Typology

Wiktoria Pawlak, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-3267-6422)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-26 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 423–435

Schlüsselwörter: Kulinaristik, Translation, Menü, Fehlertypologie

Übersetzung von Kulinarien ist ein in der Forschung oft aufgegriffenes Thema. Einen besonderen Fall stellen dabei kulinarische Namen dar, die in den Speisekarten vorkommen, da sie individuelle Züge bei der Namenkomposition aufweisen. Das Ziel des Beitrags ist es, eine Fehlertypologie im Bereich der polnisch-deutschen Übersetzung von Kulinarien anhand der gewählten Speisekarten zu erstellen sowie eine Diagnose der Fehlerursachen aufzustellen. Aus der Wirklichkeitsbetrachtung geht nämlich hervor, dass sehr viele polnische Restaurants Fehler bei der Übersetzung von Kulinarien ins Deutsche begehen. Die empirische Basis bilden 31 polnische Speisekarten aus den Restaurants in drei Städten in Polen: Wrocław und Szklarska Poręba in Niederschlesien und Świnoujście in Westpommern, die ins Deutsche übersetzt wurden. Es wurden folglich drei verschiedene Regionen Polens untersucht. Der Beitrag beginnt mit dem theoretischen Teil, in dem solche Begriffe wie Speisekarte, Textsorte, Fehler und Kulinaristik erklärt werden. Die Zielsetzung umfasst folgende Fragestellungen: Welche Übersetzungsstrategien werden im Falle von Kulinarien verwendet? Welche Fehler werden während der Übersetzung begangen? Welche Fehlerarten kommen am häufigsten zum Vorschein? Welche Arten von Fehlern kommen zusammen mit anderen Fehlern vor? Die Ergebnisse der Analyse werden tabellarisch präsentiert. Im Korpus wurden mehr als 1200 Fehler gefunden. Anhand ausgewählter Beispiele wird die Analyse mit dem Ziel durchgeführt, die Fehler zu typologisieren und auf Strategien der Übersetzung im genannten Bereich hinzuweisen. Für die Zwecke der Analyse werden die Einteilung der Fehler von Andrzej Markowski und das Auslassen als Fehlertyp von Krzysztof Hejwowski berücksichtigt. Es lässt sich schlussfolgern, dass die Restaurants verschiedene Übersetzungsstrategien im Falle von Kulinarien benutzen, deren Folge viele inkorrekte Übersetzungen sind. Im Lichte des analysierten Materials muss auch betont werden, dass die polnischen Restaurants leider keinen großen Wert auf die Übersetzung der Kulinarien ins Deutsche legen. Daher versteht sich dieser Beitrag als Beispiel der praxisbezogenen Analyse.

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Emotionen in fiktiver Mündlichkeit / Emotions in Fictive Orality

Marija Perić, Universität Zadar (ORCID: 0000-0002-3267-6422)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-27 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 437–448

Schlüsselwörter: Emotionsausdruck, Emotionsthematisierung, sprachliche Mittel, fiktive Mündlichkeit

Emotionen sind ein Grundaspekt der Menschen und spielen ebenfalls eine große Rolle in fiktiver Mündlichkeit (vgl. Bednarek 2008: 2). Man unterscheidet zwischen dem Emotionsausdruck und der Emotionsthematisierung, d. h. emotionales Erleben kann das Thema der Kommunikation sein oder wird nebenbei mitkommuniziert, wobei das Thema etwas ganz anderes ist (vgl. Fiehler 1990: 36–37). Im Beitrag werden Emotionen in dem Roman „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ von J. K. Rowling und ihre Übersetzung ins Deutsche analysiert. Die Emotionen aus den ausgewählten emotionsbeladenen Szenen aus dem Roman werden nach der Klassifikation sprachlicher Mittel nach Ortner (2014: 189–197) sortiert und analysiert. Weiterhin wird auch die Übersetzung dieser Szenen ins Deutsche analysiert. Das Ziel ist es zu bestimmen, wie Emotionen in fiktiver Mündlichkeit ausgedrückt und thematisiert werden, welche sprachlichen Mittel dabei verwendet werden und wie sie ins Deutsche übersetzt werden. Aus der Analyse folgt, dass die meisten Emotionen auf der lexikalischen und phonetisch-phonologischen Ebene ausgedrückt und thematisiert werden. Die Emotionen, die in diesen Szenen vorkommen, sind meistens Wut und Ärger sowie Angst und Trauer. Daraus schlussfolgernd kann man behaupten, dass man das Vorkommen von Emotionsausdruck und Emotionsthematisierung in der fiktiven Mündlichkeit nicht genau analysieren, sondern nur Tendenzen hervorheben kann, weil sich die Emotionen auf diesen Ebenen überlappen bzw. in einem Beispiel können sie auf mehreren Ebenen ausgedrückt und thematisiert werden. Was die Übersetzung betrifft, werden in der deutschen Übersetzung alle sprachlichen Mittel enthalten, wobei nur an einigen Stellen Kursivschrift mit dem Ziel der Hervorhebung fehlt.

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Diskursmetaphorik und ihre sprachlichen Indikatoren sowie Textmuster im literarischen Diskurs „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann / Discourse Metaphors and their Linguistic Indicators as well as their Textual Patterns in the German Literary Discourse “Ich und Kaminski” by Daniel Kehlmann

Renáta Péter-Szabó, Universität Erfurt (ORCID: 0000-0002-0886-5637)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-28 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 449–462

Schlüsselwörter: Metapher, Diskursmetaphorik, Diskurstextmuster, Metaphernidentifizierung

Metaphern galten lange als Forschungsprivilegium der Literaturwissenschaft. Mit der kognitiven Wende der 80er Jahre des 20. Jh. entstand jedoch in der modernen Sprachwissenschaft ein neuer Ansatz und Linguisten wandten sich zum ersten Mal vom klassisch-rhetorischen Metaphernverständnis stark ab. Mit der kognitiven Metapherntheorie von Lakoff und Johnson (1980) entstand eine neue linguistische Disziplin, die Metaphern als konventionalisierte sprachliche Einheiten erkennt und ihre Verständniskapazität sogar auf die menschliche Kognition erweitert. Obwohl der kognitive Ansatz eine innovative Richtung in die Sprachwissenschaft mit sich brachte, wurde sie hauptsächlich von Diskurslinguisten kritisch betrachtet, denn sie plädierten – im Gegensatz zu kognitiven Linguisten – für eine kontextabhängige Interpretation sprachlicher Metaphern. Als Ergebnis des regen kritischen Austausches zwischen den zwei Ansätzen entstand die Metaphernanalyse des Diskursdynamik-Frameworks, die sprachliche Metaphern in ihren Diskursen kontextabhängig untersuchen und anhand ihrer Diskursmetaphorizität konzeptualisieren. In der Studie werden Metaphern im diskursmetaphorischen Sinne analysiert. Sie setzt sich zum Ziel, die Diskursmetaphorik der Quelldomäne Dunkelheit herauszuarbeiten bzw. die identifizierte Diskursmetaphorizität mithilfe sprachlicher Indikatoren darzustellen. Dabei geht der Beitrag auf die sogenannte Graduierbarkeit der Metaphorizität ein, die nach Wissen der Autorin im Sinne dieser Studie noch nicht erforscht wurde. Im Beitrag werden Diskursmetaphern anhand der kognitiven Spannung zwischen ihren Quell- und Zieldomänen analysiert und dabei folgende Fragestellungen beantwortet: Sind die identifizierten Metaphern stark und aktiv („Metaphern auf der Ersten Ebene“) oder sprachlich (stark) konventionalisiert, wodurch sie ihre Metaphorizität erst durch die Diskursdynamik entfalten („Metaphern auf der Zweiten Ebene“)? Durch welche sprachlichen Indikatoren werden die Metaphern bemerkbar und wie sind diese Indikatoren zu beschreiben? Methodische Mittel der Analyse sind die Metaphernidentifizierungsmethode MIPVU mit eigenen untersuchungsspezifischen Operationalisierungen, Arbeitsmethoden des Diskursdynamik-Frameworks und diskurslinguistische Ergebnisse zur Diskursdynamik. Das Korpus ist der literarische Text „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann. Als Ergebnis wurde festgestellt, dass sich Diskursmetaphern auch unter der Textoberfläche manifestieren und fähig sind, sich durch vielfältige Indikatoren bemerkbar zu machen.

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Językowy obraz świata w języku niemieckim i polskim na przykładzie związków frazeologicznych wyrażających agresję / A Linguistic Image of the World in German and Polish Language on Example of Idiomatic Expressions about Aggression

Krystian Suchorab, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-1831-7973)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-29 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 463–476

Schlüsselwörter: Aggression, Phraseologie, sprachliches Weltbild

Der Begriff Aggression wird sehr oft in wissenschaftlichen Untersuchungen definiert. Ausdrucksmittel der Aggression, sowohl sprachlich als auch außersprachlich, ihre Bewertung und viele andere Aspekte sind immer noch umstritten. In der alltäglichen Kommunikation kommt am häufigsten die indirekte Aggression zum Ausdruck, aber bestimmte Verhaltensweisen und Sprachmittel weisen aggressive Merkmale auf. Eine besondere Gruppe bilden dabei Phraseologismen. Die Fragestellung in der Analyse umfasst daher folgende Aspekte: Welche Sprachmittel bietet die Sprache den Sprechenden an? (Vulgarismen, Phraseologismen) Welche Aspekte können mithilfe dieser Sprachmittel ausgedrückt werden? (Schlagen, Drohungen, Freiheitseinschränkung) Welche Unterschiede gibt es in diesem Bereich zwischen dem Deutschen und dem Polnischen? Und gibt es überhaupt irgendwelche? Die Analyse fokussiert auf deutsche und polnische Phraseologismen, die zum Ausdruck der Aggression dienen. In der Analyse wird ihre thematische Unterteilung präsentiert und es wird auf Komponenten hingewiesen, die für bestimmte Aggressionsarten charakteristisch sind. Die vergleichende Analyse erlaubt, Schlussfolgerungen bezüglich des Verbalisierens von Aggression in beiden Sprachen zu ziehen, und einen Einblick in das sprachliche Weltbild beider Sprachkulturen zu gewähren. Die Ergebnisse der Analyse weisen auf eine Asymmetrie zwischen dem sprachlichen Weltbild im Deutschen und im Polnischen im Bereich der mithilfe von Phraseologismen ausgedrückten Aggression hin. Man kann in beiden analysierten Sprachen semantisch übereinstimmende Phraseologismen finden, deren Komponenten sowohl konvergent als auch unterschiedlich sind. Überdies lassen sich emotional gekennzeichnete Beispiele unterscheiden, die den aggressiven Charakter der analysierten Einheiten noch verdeutlichen.

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Skuteczność komunikacyjna instrukcji gry planszowej / Communicative Effectiveness of Board Game Instructions

Kamila Zielińska-Nowak, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-0246-1700)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-30 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 477–489

Schlüsselwörter: Text, Anleitung, Brettspiel, Kommunikation

Die Anleitung zum Brettspiel ist ein benutzerorientierter Hilfetext. Daher ist es notwendig, dass sie verständlich und eindeutig geschrieben wird, damit der Empfänger die neuen Informationen in der Praxis nutzen kann. Empfänger sind Personen, die ein bestimmtes Brettspiel kaufen oder es bereits spielen wollen. Es ist die Anleitung, die es uns ermöglicht, das Brettspiel richtig zu spielen. Aus diesem Grund ist es wichtig, wie die Anleitung aussieht und wie sie geschrieben wird. Ziel dieses Beitrags ist zu untersuchen, ob ein solcher Text seine kommunikativen Ziele erreicht. Der Text kann im Kommunikationskontext als effektiv angesehen werden, wenn es dem Rezipienten gelingt, der gegebenen Anleitung zu folgen. 24 Anleitungen, die Brettspielen verschiedener Kategorien entnommen wurden, wurden mit der Jasnopis-Anwendung untersucht und anhand der Prinzipien des Wrocławer Modells der einfachen Sprache überprüft. Außerdem wurden die Texte auf ihre grafische Gestaltung, sprachliche Korrektheit, Betrachterperspektive und ihren Lesbarkeitsindex hin untersucht. Die Analyse zeigte, dass die Form zwar die Kommunikation unterstützt, der Inhalt des Textes aber das Gegenteil bewirkt. Layout und Grafik helfen den Rezipienten, die Regeln zu verstehen. Der Satzbau und die verwendeten Wörter erhöhen jedoch die Schwierigkeit des Textes.

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Argumentationsstile im Deutschen und im Arabischen aus kontrastiver Sicht / Argumentation Styles in German and Arabic from a Contrastive Perspective

Mariusz Jakosz, Schlesische Universität (ORCID: 0000-0001-9606-679X)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-31 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 493–499

Schlüsselwörter: Argumentieren, Online-Beschwerde, (Un-)Höflichkeit, deutsche Kultur, arabische Kultur, Kulturdimension, Didaktik, Argumentationskompetenz

Im Beitrag wird die Monographie Argumentationspraktiken im Vergleich von Abdel-Hafiez Massud besprochen, in der die Argumentationsmuster im Deutschen und im Arabischen aus linguistischer Sicht miteinander verglichen werden. Der Autor beschreibt, welche sprachlichen und außersprachlichen Mittel im interkulturellen Kommunikationsprozess dazu dienen, um andere von seinem Standpunkt effektiv zu überzeugen oder sie zu einer bestimmten Handlung zu überreden. Die Publikation besteht aus drei thematischen Bereichen: Argumentieren in den Online-Medien, interkulturelle Dimension des Argumentierens und Didaktik des Argumentierens. Der erste Teil konzentriert sich auf die Frage, welche Argumentationsmuster von Internetnutzern und Unternehmen in digitalen Räumen bevorzugt werden. Solche argumentativen Sprechakte wie Protestieren, Entschuldigen werden anhand verschiedener Textsorten besprochen, wie z. B. deutsche und arabische Proteste auf der Plattform Twitter, Firmenantworten auf Online-Beschwerdetexte der Kunden, „Über uns“-Texte auf den deutschen Websites von Privatschulen. Am Beispiel deutscher und arabischer Online-Beschwerden wird im zweiten Teil eine interkulturelle (Un-)Höflichkeitsdimension des Argumentierens im Deutschen und im Arabischen beschrieben. Im Mittelpunkt der Überlegungen im dritten Teil stehen außerdem die Fragen der Vermittlung der Argumentationskompetenz im DaF- bzw. DaZ-Unterricht. Der Schwerpunkt der besprochenen Monographie liegt darauf, dass sie die kontrastiven deutsch-arabischen und multimodalen Argumentationsstile thematisiert, die ein neues und bisher kaum erforschtes Forschungsfeld bilden. Von Bedeutung ist auch die Berücksichtigung des Einflusses moderner Kommunikationsformen in Neuen Medien auf Argumentationspraktiken und -muster in beiden Kulturen. Hinsichtlich der Aktualität des Themas und der Originalität der Behandlung der einzelnen Aspekte ist diese Publikation allen zu empfehlen, die sich für die Sprachwissenschaft und insbesondere für das Argumentieren interessieren.

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Ein weiterer Beitrag zur Diskussion über Anglizismen im Deutschen / Another Contribution to the Discussion about Anglicisms in German

Marcelina Kałasznik, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-2713-5880)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-32 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 501–506

Schlüsselwörter: Sprachwandel, Anglizismen, Sprachbereicherung

Die Debatte über den Gebrauch von Anglizismen in der deutschen Sprache ist kein neues Thema. Seit Langem wird darüber reflektiert, was der ansteigende Anteil des englischen Wortgutes für das Deutsche bedeutet, wobei diese Erscheinung die Meinungen in der Öffentlichkeit und unter Sprachwissenschaftlern polarisiert. Die einen fürchten in diesem Zusammenhang einen Verfall der deutschen Sprache. Die anderen betrachten diese Tendenz als eine Entwicklung und Bereicherung der deutschen Sprache. In der Studie wird beabsichtigt, die Ergebnisse der 2020 im Verlag Dr. Kovač erschienenen Monographie von Katarína Seresová vorzustellen, die diesem Thema gewidmet ist. Dabei wird das Ziel verfolgt, den aktuellen Stand der Diskussion in Bezug auf den Gebrauch von Anglizismen im Deutschen widerzuspiegeln. Die Autorin setzt sich in ihren Ausführungen mit den folgenden Aspekten auseiander: 1) außersprachliche Faktoren, die dem Prozess der Entlehnung zugrunde liegen, 2) Modelle und Mittel der Wortbildung, 3) Integration von Anglizismen, 4) Einflussfaktoren des Englischen, 5) Vorteile und Nachteile der Verwendung von Anglizismen, 6) Initiative Anglizismus des Jahres, 7) Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache. Im Beitrag werden die Ergebnisse der Überlegungen von Seresová referiert und vor dem Hintergrund der bisherigen Forschung kommentiert. Im Anschluss daran wird gezeigt, inwieweit die Monographie die bereits bestehende Literatur zum Thema Anglizismen im Deutschen bereichert und welchen Beitrag sie zu Untersuchungen in diesem Bereich leistet. Auf der Grundlage der präsentierten Monographie kann geschlussfolgert werden, dass die Frage der Anglizismen im Deutschen trotz bisheriger ziemlich umfangreicher wissenschaftlicher Darstellung weiterhin aktuell ist.

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Literarische und sprachwissenschaftliche Forschungsfragen in der Forschung der Doktoranden / Literary and Linguistic Questions in the Reaserch from Doctoral Students

Wiktoria Pawlak, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-3267-6422)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-33 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 507–511

Schlüsselwörter: Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft, Schimpfwörter, Identitätsmotiv, Migration

Der Sammelband, in dem sich die Doktorandinnen und Doktoranden aus den Universitäten in Trnava, Ústí nad Labem und Wrocław wissenschaftlich äußern, entstand im Rahmen des Projekts „Internationalisierung und Weiterentwicklung des Doktorandenstudiums“. Das Ziel des Sammelbandes ist die Präsentation der Forschungsergebnisse der Doktoranden aus der Slowakei, aus Polen und Tschechien. Im Band werden vielfältige Themen aus dem Bereich der Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft aufgegriffen. Die Schriftsteller wie Georg Trakl, Jan Faktor, Thomas Mann oder Stanislav Struhar stehen im Fokus einiger literaturwissenschaftlichen Beiträge. Es werden auch mehrere Motive wie Landschaft, Garten, Identität oder Migration angegriffen. Die linguistischen Texte befassen sich z. B. mit Wortverbindungen, bestimmten Lexemen, Schimpfwörtern, Kardinalvokalen und Sprachvarietäten. Die dargestellten Themen bieten eine gute Grundlage für die weiteren Diskussionen. Insgesamt sind hier 17 Beiträge zu finden. Sie sind ein Beweis dafür, dass sich die jungen Leute für Wissenschaften interessieren und neue Themen selbst erforschen. Die Diversität der Themen weist darauf hin, dass die Linguistik und Literatur einen Wissensschatz bilden.

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Wissensräume aufschließen / Unlocking Knowledge Spaces

Roberta Rada, Eötvös-Loránd-Universität, Budapest (ORCID: 0000-0002-3267-6422)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-34 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 513–517

Schlüsselwörter: Deutsch als Fremdsprache, Lehrerausbildung, Mehrsprachigkeit, Übersetzungswissenschaft

Die Germanistik als Universitätsfach ist in Ungarn bereits seit dem 18. Jahrhundert (!) vertreten. Josef II. verordnete 1784 die Gründung des Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur an der Universität der damaligen ungarischen Hauptstadt Pest. Dieser Lehrstuhl gilt als zweitältester in der Welt (nach dem zwei Jahrzehnte früher gegründeten in Wien). Die Germanistik blickt daher in Ungarn auf sehr lange Traditionen zurück. Es mag auch damit zusammenhängen, dass sie durch ungarische ForscherInnen vertreten ist, die sich in der europäischen Germanistik einen Namen machen konnten. Das Ziel des folgenden Rezensionsbeitrages ist es, die der anerkannten ungarischen Germanistin, Wissenschaftlerin und Hochschullehrerin Erzsébet Drahota-Szabó unter dem Titel „Kulcs a világhoz: Drahota-Szabó Erzsébet köszöntésére. Schlüssel zur Welt: Festschrift für Erzsébet Drahota-Szabó“ gewidmete Festschrift vorzustellen. Im Titel der Festschrift lässt sich der intertextuelle Verweis auf die berühmte These von Wilhelm Humboldt erkennen, nach der die Sprache ein Schlüssel zur Welt ist. Der Band versteht sich somit als Schlüssel, mit dem ein Zugang zu bestimmten Wissensbereichen, als Elementen der Welt ermöglicht ist. Er enthält insgesamt zwanzig in deutscher und ungarischer Sprache verfasste Beiträge, die sich thematisch an die Forschung und Lehre der Jubilarin knüpfen. Die in ihnen aufgeschlossenen Wissenselemente beziehen sich auf umfassende wissenschaftliche bzw. Forschungsbereiche, wie Deutsch als Fremdsprache, die (Fremdsprachen)Lehrerausbildung, sowie die Mehrsprachigkeit und die Übersetzung. Die VerfasserInnen der einzelnen Beiträge fokussieren unterschiedliche Perspektiven, aus denen die aufgezählten Themen und Bereiche behandelt werden (z. B. kontrastive, didaktische, literaturwissenschaftliche und sprachgeschichtliche Perspektiven), und beziehen ihre Untersuchungen auf verschiedene Sprachen (neben Deutsch auf Ungarisch, Slowakisch und Rumänisch). Dadurch entstehen zwischen den Beiträgen komplexe, vielfältige Vernetzungen, die im nachfolgenden Rezensionsbeitrag aufgedeckt werden sollen. Die LeserInnen des Rezensionsbeitrages erhalten nicht nur einen Einblick in wichtige, u. A. auch durch die Jubilarin vertretenen Forschungsbereiche der Germanistik, sondern sie sollen auch dazu angeregt werden, die Festschrift selbst in die Hand zu nehmen und sich mit den VerfasserInnen der Beiträge sowie mit der Jubilarin selbst wissenschaftlich „auszutauschen“.

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Phraseodidaktisches Lehrbuch für polnische Deutschlernende / Phrasedidactic Coursebook for Polish Learners of German

Joanna Szczęk, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0001-8721-6661)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-35 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 519–522

Schlüsselwörter: Phraseodidaktik, Lehrbuch, DaF-Unterricht

Phraseodidaktik an sich scheint in letzter Zeit immer mehr in das Interesse der Fremdsprachenlernenden und -lehrer zu rücken. Es wird dabei nach den Lösungen für die praktische Umsetzung der Theorie gesucht. Das sind auch die Erwartungen der Deutschlernenden in Polen. Diesen Erwartungen kommt das neu im PWN-Verlag erschienene Lehrwerk „Phraseologie des Deutschen im Abriss für polnische Deutschlernende“ (2020) von Elżbieta Dziurewicz und Joanna Woźniak entgegen, in dem das phraseodidaktische Konzept für Deutsch lernende Polen entwickelt wird. Es handelt sich dabei um eine geschickte Verbindung der Theorie und Praxis, die für Deutschlernende auf dem Niveau B2 bestimmt ist. Das Ziel ist dabei, das von den Autorinnen vorgeschlagene Konzept in Bezug auf die Erwartungen und Bedürfnisse der Lernenden kritisch auszuwerten. Die Vergleichsbasis stellen dabei phraseodidaktische Lehrwerke dar, die für Deutschlernende in anderen Sprachen entwickelt wurden. Die Analyse weist einerseits auf die Mängel im Bereich der deutsch-polnischen Phraseodidaktik hin und andererseits wird auf die Vorteile fokussiert, die das Werk anbietet, wodurch es als eine Anregung sowohl für Phraseodidaktiker als auch für Deutschlernende gilt. Das reiche Angebot an diversen Übungen und Arbeitsformen sowie komplexe Darstellung der Theorie sind Vorzüge der Publikation, die einen breiten Leserkreis anziehen werden. Die Ergebnisse der Analyse leisten einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung des DaF-Unterrichts in Polen.

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Zur Vielfalt der Humormechanismen am Beispiel von Sprachwitzen / The Variety of Humor Mechanism Using the Example of Language Jokes

Iwona Wowro, Schlesische Universität (ORCID: 0000-0002-5377-9674)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-36 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 523–528

Schlüsselwörter: Humor, Sprachwitz, Witztechnick, Überblick

Humor ist aus dem menschlichen Leben nicht wegzudenken, er scheint ein treuer Begleiter des Menschen in guten wie in schweren Zeiten zu sein, denn er ist nicht nur durch medizinisch oder psychologisch nachweisbare Wirkungen gekenneichnet, sondern nimmt auch auf die Interaktionen mit Anderen Einfluss. Als seine repräsentativste und einfachste Form gelten Witze, die unterschiedliche Formen annehmen können. Unter anderem aus diesen Gründen sollen im Rahmen des vorliegenden Beitrags das Wesen und die Arten von Sprachwitzen sowie vor allem die in verschiedenen Variationen vorkommenden Witztechniken dargestellt werden, die als Quelle der humoristischen Ambiguisierung und Spannung zu betrachten sind. Sie sind als eine Übersicht anzusehen, wo die wichtigsten oder häufig vorkommenden Mechanismen des Humors gesammelt sowie in ihren wichtigsten Punkten besprochen und mit zahlreichen Beispielen veranschaulicht werden. Die Ergebnisse der Analyse zeigen eine Palette von Möglichkeiten zu ihrer Bildung, sie veranschaulichen auch die den Witzen innewohnenden Humorindikatoren wie Mehrdeutigkeiten, vorsätzliche oder zufällige Missverständnisse, Wortmischungen, Verwörtlichungen von Metaphern, falsche Wortbildung, Betonungswechsel, falsche Abtrennung, Mehrfachnennung, Darstellung durch das Gegenteil (Antiphrase) sowie zahlreiche Modifikationen und Zerlegungen.

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Deutsch als Fremdsprache – Didaktische und sprachwissenschaftliche Perspektiven / German as a Foreign Language – Didactic and Linguistic Perspectives

Grażyna Zenderowska-Korpus, Schlesische Universität (ORCID: 0000-0002-9581-7835)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-37 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 529–534

Schlüsselwörter: Unterricht Deutsch als Fremdsprache, Lehrmaterialien, neue Medien, Mobile-Learning, Rahmenpläne, grammatische Kompetenz

Das 13. Themenheft der Aussiger Beiträge „Deutsch als Fremdsprache – Didaktische und sprachwissenschaftliche Perspektiven“ ist den aktuellen Fragen der Didaktik DaF aus sprachwissenschaftlicher und praxisorientierter Perspektive gewidmet. Der Band enthält 12 Beiträge, 7 Rezensionen und 5 Berichte. Die Beiträge umfassen ein breites Spektrum von Problemen der Sprachvermittlung in Schule und Hochschule: sprachliche Lernziele, methodische und inhaltliche Innovationen, Einsatz der neuen Medien, aktuelle Rahmenpläne und Lehrmaterialien, die grammatische Kompetenz u. a. Das Heft widmet sich verschiedenen Fragen: Welches Potential steckt in Texten aus Kinder- und Jugendzeit? Was ist bei einer adressatenorientierten Textauswahl zu beachten? Gibt es sprachliche Lernziele, denen bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde? Wie ließe sich der Zusammenhang von Sprache und Kultur deutlicher akzentuieren? Welchen Nutzen kann die Fremdsprachendidaktik aus den neuen medialen Möglichkeiten ziehen? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Faktor ‚Multimedialität’ für die Gestaltung von Lernmaterialien? Inwieweit spielen Rahmenpläne, Curricula und andere Dokumente auf europäischer und nationaler Ebene eine wichtige Rolle, wenn es um neue Akzentsetzungen in der Fremdsprachenvermittlung geht? Das Heft spricht vielfältige Zugänge zur Lehre und Praxis des Deutschen als Fremdsprache an und thematisiert sowohl etablierte Trends in der Fremdsprachendidaktik als auch Innovationen und Änderungen. Eine kritische Sicht auf ausgewählte Dokumente und Lehrmaterialien sowie Entwicklungen und Tendenzen der Fremdsprachendidaktik gibt Anregungen zur wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig praxisorientierten Diskussion über die Vermittlung der deutschen Sprache. Die Beiträge sind für alle DaF-Lehrenden empfehlenswert, denen die Optimierung des Fremdsprachenunterrichts am Herzen liegt. Die vorliegende Rezension fasst kurz Ziele und Inhalte aller Beiträge zusammen.

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Sprawozdanie z wirtualnych warsztatów „CLARIN-PL w praktyce badawczej” 19–20.11.2020, Wrocław (Politechnika Wrocławska) /

Józef Jarosz, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-7820-667X)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-38 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 537–541

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Bericht über 2. Internationales Doktorandenseminar im Rahmen des Projekts Internationalisierung und Weiterentwicklung des Doktorandenstudiums 2018-1-SK01-KA203-046375, 9.–13. November 2020 in Ústí nad Labem /

Krystian Suchorab, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0003-1831-7973)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-39 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 543–545

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Bericht über die internationale Tagung „Aktuelle Trends und Perspektiven in der linguistischen Forschung“ im Rahmen der 2. Linguistischen Juniorentreffen in Wroclaw vom 6. bis zum 7. November 2020, Institut für Germanistik der Universität Wrocław, online /

Katarzyna Tymińska, Universität Wrocław (ORCID: 0000-0002-1385-0982)

DOI: 10.23817/lingtreff.19-40 (online zugänglich: 2021-06-17)

S. 547–550

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