Zur Epigraphik – als einem der Aufgabenbereiche der Philologie. Eine Fallstudie: Das Epitaph von Erasmus Hesse aus Benau/Bieniów (1566) / On Epigraphy – as One of the Fields of Philology. A Case Study: The Epitaph of Erasmus Hesse in Benau/Bieniów (1566))
DOI: 10.23817/lingtreff.27-1 (online zugänglich: 2025-06-25)
S. 17–34
Schlüsselwörter: Epitaphien, Inschriften, Frühneuhochdeutsch, Übersetzung älterer Texte
Im ehemaligen Grenzgebiet von Niederschlesien und der Niederlausitz hat sich eine Anzahl von Epitaphien erhalten, darunter auch Grabplatten mit ausführlicheren Inschriften, die für Sprachwissenschaftler und Sprachhistoriker von großem Interesse sein können und sogar – was u. a. im vorliegenden Beitrag an einem Beispielfall nachgewiesen werden soll – müssen. Ihre Inhalte verdienen eine umfassende, fachliche und vor allen Dingen zuverlässige sprachwissenschaftliche Analyse, die bis heute fehlt. Die niederlausitzischen Epitaphien waren zwar bereits Gegenstand historischer Forschungen, doch als erfüllt darf man nur die rein historische Seite des gesamten Aufgabenkomplexes ansehen, der mit der komplexen Erforschung von Epitaphientexten untrennbar verbunden ist. Der erste dieser Aspekte ist das fehlerfreie Ablesen und die Transliteration der oftmals schon beschädigten Inschriften. Der Grad der Vollständigkeit und Richtigkeit von den Transliterationsversuchen der Epitaphientexte ist in den bisherigen Analysen bezüglich der graphemischen Schicht sehr uneinheitlich. Ein weiterer Bereich, der ein viel größeres Nachteil der bisherigen Bearbeitungen darstellt, sind die dort vorgeschlagenen Übersetzungsversuche. Schwerwiegende Fehler im Übersetzungsbereich sowie Irrtümer und meist völlig fehl am Platz stehende subjektive eigene Zusätze lassen die dort vorgeschlagenen Interpretationen der Epitaphientexte vielmals nicht als echte Übersetzungen, sondern höchstens als „Informationsnotizen“ zum Inhalt der einzelnen Denkmälertexte ansehen. Einige der Verzerrungen resultieren aus fehlerhaften Transliterationen, andere aus unvollständigem bzw. falschem Ablesen, noch andere wiederum aus mangelndem Geschick im Übersetzen älterer Texte sowie geringer Kenntnis der Nuancen der frühneuhochdeutschen Sprache bzw. aus der Vernachlässigung stilistischer Fragen. In diesem Beitrag versucht der Autor am ausgewählten Belegmaterial aus Benau/Bieniów (Landgemeinde Sorau/Żary) zum ersten Mal auf eine philologische Art und Weise sowie am selbstständig vorbereiteten und erörterten sprachhistorischen Material aufzuzeigen, wie die bisherigen Mängel in den oben genannten Untersuchungen in einem philologisch orientierten Forschungsvorhaben behoben werden sollen. Das Hauptanliegen des Autors ist jedoch die Darstellung der sprach- und kulturhistorischen Werte der im Beitrag präsentierten Denkmäler.

